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Norbert Friedrichsengestorben am 18. Januar 2023

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1963
Das erste Kind (ich) wurde 1961 geboren. Wir wohnten in Bützfleth, direkt auf dem Deich. (Binnendeich).
Bei der großen Sturmflut 1962 - von der Vati sehr beeindruckend erzählen konnte - lief das Wasser über den Deich an beiden Seiten am Haus vorbei. Ich lag zwischen Sandsäcken auf dem Dachboden. Der Deich brach in Bützfleth an mehrere anderen Stellen - das Wasser lief in den Ort und in viele andere Häuser - und an unserem vorbei.

Unvergessen, wie Vati immer wieder erzählte:
Die Elbe war etwa normalerweise ca. 250m vom Haus entfernt und floss ruhig dahin. Durch den Sturm aufgepeitscht drang nun aber das Wasser der Nordsee (90km entfernt) in den Fluss und überschwemmte das Deichvorland. Je höher es sich dann am Deich aufstaute, desto höher die Gefahr des Deichbruchs. Um Mitternacht flaute der Sturm ab. Es war erstaunlich ruhig - und Vati ging nochmal raus um zu schauen, wie hoch das Wasser gestiegen war. Es war stockdunkel und er leuchtete mit einer Taschenlampe. Er traute seinen Augen nicht: Das Wasser stand bis zur Deichkrone. Also ganz oben. Wie ein stiller See ohne Ufer. Und dann lief es über.

Zur Evakuierung war keine Zeit gewesen - wie auch, ohne Auto und mit Frau und Baby. Überlegt hat er es. Wenn der Deich bricht, könnte das Haus einstürzen. Baby (sechs Monate alt ) in den Rucksack und mit Fahrrädern nach Stade? Sie wären nach dem Deichbruch vom Wasser eingeholt worden. Etliche Einwohner mussten deshalb die Nacht auf Bäumen verbringen. Da lag das Baby auf dem Dachboden sicherer. Es war die richtig Entscheidung. Die Nachbarn, deren Haus am Außendeich überflutet wurde, konnten so auch noch aufgenommen werden.